интервью журналу "SCHACH"
Dec. 26th, 2012 02:08 amSCHACHfragen
1.Wo möchten Sie im Moment gerne sein?
Irgendwo,wo es 30 Grad wärmer ist, als hier :) Wenn das zu viel verlangt ist,dann gerne auch in der neuen Wohnung nach Abschluss derRenovierungsarbeiten – wir ziehen gerade um.
2.Was würden Sie tun, wenn es ab morgen absolut kein Schach mehr inIhrem Leben geben würde?
Gottbehüte! Schach ist für mich Beruf, Hobby und die wichtigsteMöglichkeit der Selbstverwirklichung zugleich, ein Leben ohne Schachmöchte ich mir gar nicht vorstellen.
3.Was halten Sie für die schädlichste und die beste Entwicklung immodernen Schach?
Schädlichfür das Schach sind
a.der Einfluss der Engines. Betrugsmöglichkeiten, der wachsende Bergan Eröffnungstheorie, die „Entmystifizierung“ des Schachs –all diese Probleme gehen auf die Schachprogramme zurück. Aber dieseEntwicklung ist wohl nicht aufzuhalten, also müssen wir uns damitarrangieren.
b.Die FIDE. Der Weltschachbund in seinem aktuellen Zustand ist einereine Katastrophe für das Schach. Seit 1982 werden wir vonzwielichtigen, korrupten Gestalten regiert, die weder Ahnung nochInteresse am Schach haben. Unser Präsident trifft sich mit Kaddafi,Assad und den Außerirdischen, unser Verband beschließt immerweitere Verkürzung der Bedenkzeit und die Nullkarenz – wenn jemandden Plan hätte, Schach langfristig zu ruinieren, würde er genausovorgehen.
Positivist sicher der Boom des Schulschachs.
4.Wer ist Ihrer Meinung nach die a) am meisten über- und die b) am
meisten unterbewertete Persönlichkeit der Schachgeschichte?
a.Für überbewertet halte ich die unzähligen „Wunderkinder“ und„jüngste Großmeister der Welt“. Am Ende schaffen nur einigewenige von ihnen den Sprung an die Weltspitze.
b.Da fallen mir viele Namen ein, es gibt leider eine Menge zu Unrechtvergessener Spieler. Nennen möchte ich Leonig Stein und BorisGulko. Gulko beispielsweise, Meister der UdSSR und einer der sehrwenigen Spieler, die ein positives Score gegen G. Kasparov haben, istin Europa kaum bekannt.
5.Mit welchen Klischees über Schachspieler sehen Sie sich konfrontiertund wie kommentieren Sie diese?
Naja, der gemeine Schachspieler ist in den Augen der (schachfremden)Öffentlichkeit ein hyperintelligenter weltfremder Fachidiot a laLuzhin – abgesehen von wenigen Ausnahmen hat dieses Bild wenig mitder Realität zu tun.
6.Mit welchen Vorurteilen über Ihr Schach oder Ihre Person würden Siegern aufräumen?
Ichkenne nur eins und das ist sicher zutreffend – die Remisbreite istbei mir recht groß. Das hat aber nicht mit Feigheit zu tun – ichverliere eben ungern! :)
7.Welche Themen möchten Sie in der Schachöffentlichkeit/Schachpressestärker behandelt wissen?
Ichpersönlich bin an 2 Themen sehr interessiert: die Hintergründe derSchachkomposition (also wie modernen Topkomponisten an ihren Studienarbeiten) sowie Hintergründe des Trainerberufs.
8.Was möchten Sie in Ihrem Leben unbedingt noch erlernen bzw.
bedauern, es nie erlernt zu haben?
Oh,da fallen mir viele Sachen ein! Ich würde gern dichten und malen undGitarre spielen können, aber weil ich keinerlei Talent dafürbesitze, bleibe ich lieber beim „Konsumieren“ dieser Künste. Wasich tatsächlich mal in Angriff nehmen möchte, sind Fremdsprachenund vielleicht auch eine Kampfkunst.
9.Was ist Ihnen peinlich?
MeinEnglisch!
Undzum Fremdschämen eignen sich Menschen ohne Humor wunderbar.
10.Was gefällt Ihnen an sich und was missfällt Ihnen an sich?
Umbeides auf einmal zu beantworten: der Hang zur Selbstreflexion.
11.Welchen Missstand würden Sie in Ihrem Land beseitigen, wenn es in
Ihrer Macht stünde?
Mehrdirekte Demokratie nach dem Vorbild der Schweiz wäre nicht schlecht.Die Politik und das Volk haben sich völlig auseinandergelebt.
12.Wer sind Ihre Helden in der Gegenwart?
Menschen,die eine Meinung besitzen und den Mut, diese zu vertreten.
Menschen,die Prinzipien besitzen und den Willen, danach zu leben.
Menschen,die dem Wahnsinn des Alltags mit Humor begegnen.
13.Welche Frage würden Sie gerne gestellt bekommen und wie lautet die
Antwort darauf?
Frage:Was ist Schach?
Antwort:Schach ist Kunst. Und nur als Kunst hat es eine Existenzberechtigungund eine Zukunft. Denn es ist ein vergleichsweise miserabler Sport.
14.Welche drei Bücher können Sie empfehlen?
Auf3 Bücher kann ich mich nicht beschränken, wenigstens 3 Autoren:„Meister und Margarita“ und „Die weiße Garde“ von M.Bulgakow, so ziemlich alles, was Brüder Strugazki zwischen 1964 und1988 geschrieben haben und vielleicht noch Isaak Singer. Es gibt abernoch Dutzend weitere Namen, die ich an dieser Stelle gern nennenmöchte.
15.Welches ist die interessanteste Schachpartie, die Sie je gespielthaben?
MeineSiege gegen Korchnoi (2005) Fressinet (2005) und Rozentalis (2011)finde ich recht sehenswert :)
16.Welche Spieler würden Sie zu einem Turnier einladen und nach welchemModus würde dieses ausgerichtet werden, wenn ein Sponsor Sie mit derAusrichtung eines Turniers beauftragen würde?
Daswäre definitiv ein geschlossenes Turnier mit klassischer Bedenkzeit. Carlsen, Aronian, Kramnik, Ivanchuk, Morozevich, Gelfand, Polgar undSutovsky wären sicher auf der Liste.
17.Auf welche eigene Leistung sind Sie besonders stolz und warum?
Aufdie beiden Halbmarathonläufe, die ich mitgemacht habe. Wobei esschöne wäre, irgendwann mal einen ganzen daraus zu machen :)
Undauf die eine oder andere Studie, die ich komponiert habe.
18.Mit wem würden Sie gern einen Tag lang tauschen und warum?
Mitjemandem, der Zeit zum Ausschlafen hat :)
19.Wann haben Sie zum letzten Mal etwas zum ersten Mal getan und was?Vordrei Jahren habe ich ein paar Stunden in einem Klettergartenverbracht – eine fantastische Erfahrung.
20.Aktuelle Frage: Sie arbeiten seit Februar 2012 als Schachlehrer.Dafür sind Sie von Nürnberg nach Miesbach umgezogen. Können Siebitte den Charakter, Umfang und Zielrichtung Ihrer Arbeit erläutern?Wie sehen Sie den Stand und die Perspektive des Schulschachs?
Vor2 Jahren rief Horst Leckner, Cheforganisator der OffenenInternationalen Bayerischen Meisterschaft in Bad Wiessee und undehemaliger Manager der Bundesligamannschaft des TV Tegernsee ein fürDeutschland einzigartiges Projekt ins Leben. Er hatte die Vision,Schach in allen Grundschulen im Landkreis Miesbach anzubieten. Erkonnte die Sparkasse Miesbach Tegernsee sowie den Lionsclub Tegernseeals Sponsoren gewinnen.
Alserster Schachlehrer wurde Roman Vidonyak verpflichtet, vor neuenMonaten kam ich hinzu. Zusammen betreuen wir nun ca. 450 Schüler.Der Schwerpunkt unserer Arbeit sind Grundschulen, aber wir sind auchan Gymnasien und Realschulen vertreten. Pro Tag halte ich im Moment 3bis 5 (in der Regel volle) Stunden ab. Das primäre Ziel desProjektes ist es, die Kinder kognitiv zu fördern, ihnen einesinnvolle Alternative zu den endlosen Computerspielen anzubieten. Schach dient dabei als Mittel zum Zweck, wir sind davon überzeugt,dass die positiven Effekte, die u.a. in der vielzitierte Trier Studiedokumentiert sind, kein Hirngespenst sind. Langfristig neue Kräftefür die deutsche olympische Mannschaft heranzuzüchten ist nichtdirekt unser Ziel, aber ein willkommener Nebeneffekt, denke ich :)
no subject
Date: 2012-12-26 06:40 am (UTC)Любопытно, какй вид выберешь ты.
no subject
Date: 2013-02-09 10:28 pm (UTC)no subject
Date: 2012-12-26 09:59 am (UTC)no subject
Date: 2013-02-09 10:25 pm (UTC)no subject
Date: 2012-12-26 02:22 pm (UTC)no subject
Date: 2012-12-26 03:10 pm (UTC)